Städtebau Großmarkthalle Köln

Ausgangslage

Produktions- und Distributionsformen korrespondieren mit spezifischen Raumstrukturen. Ändern sich ökonomische Rahmenbedingungen kommt es zur Neubewertung etablierter Produktions- und Vertriebsstandorte. So thront anstelle des einstigen Obst- und Gemüsemarkts am Kölner Heumarkt in der Innenstadt nun ein Hotelkomplex (nebenbei konnte die Verkehrsführung ‚optimiert’ werden). Auch für den Großmarkt war die Umsiedlung im Jahr 1940 in den peripheren Stadtteil Raderberg ideal: Die Anbindung an den nahen Güterbahnhof ‚Bonntor’ sowie an die Kölner Bucht waren gewährleistet und die neue, stützenfreie Markthalle – ein Schalenbauwerk- revolutionär.
Nicht nur die einst knapp 8 Hektar große Handelsfläche (heute 29 Hektar!), sondern auch die Stadt ist im Laufe der Jahre stetig angewachsen. Mittlerweile hat sich der Stadtrand (mehrfach) verschoben und die Lage des Frischezentrums – wie der Großmarkt heute heißt – ist fast innerstädtisch.
Doch es ist kein angenehmer Standort mehr für Händler und Kunden, so die Stadt Köln, die gemäß der Marktsatzung die organisatorische, wirtschaftliche und rechtliche Hausherrin des Großmarktes ist. Außerdem ist die Fläche städtebaulich sehr hochwertig.
Ein Ratsbeschluss von Dezember 2007 sieht daher die Umsiedlung des Großmarkts an den östlichen Stadtrand nach Marsdorf vor. Mit dem Ratsbeschluss schließt sich der Kreis und die Fläche erfährt die nächste Neubewertung und -ordnung. Auf Grundlage des Kölner Masterplans ist die Errichtung eines neuen Wohn- und Arbeitsquartiers, die sogenannte ‚Parkstadt’ geplant. Neben der Schaffung von 1.500 Wohnungen und Arbeitsstätten für mehr als 4.000 Menschen sind 25 Hektar öffentliche Parkanlagen vorgesehen. Dieser Park stellt die Schließung des Grüngürtels und dessen Verlängerung bis an den Rhein dar.
Das Planungsgebiet verlässt die bloße Fläche des Großmarktes und sieht eine komplette Neuordnung des etwa 70 Hektar großen Areals vor, das im Norden von der Eisenbahn, im Osten vom Rhein, im Süden von Vorgebirgspark, Marktstraßen und Schönhäuser Straße und im Westen von Vorgebirgspark und Vorgebirgsstraße begrenzt wird.
Neben der Nutzung ‚Großmarkt’ befinden sich auf der Fläche mehrere Dienstleistungs- und Bürogebäude unterschiedlicher Baualtersklassen und -zustände, deren Verbleib geprüft werden muss. Denkmalgeschützt sind die Markthalle aus dem Jahr 1939 und die alte Versteigerungshalle, die heute als Location für Events dient.
Mit der Aufgabenstellung für das Integrierte Projekt soll einem Wettbewerbsverfahren der Stadt Köln vorgegriffen und schon jetzt ein ‚neuer’ Ansatz für die etwa 70 Hektar große Fläche entwickelt werden, die aufgrund ihrer prominenten Lage im Stadtgefüge und ihrer Größe nicht nur großes Flächenpotential bietet, sondern in Hinblick auf die gesamtstädtische Entwicklung, Globalisierung und Metropolisierung Kölns von immenser Bedeutung ist.

Aufgabenstellung:
Im Zentrum der Aufgabe steht die Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts für das Großmarktareal in Köln.
Folgende Leitziele sind bei dieser Entwurfsaufgabe besonders zu berücksichtigen:
• Etablierung einer sozial verträglichen gemischten Wohnnutzung / Schaffung von vielfältigen Wohnangeboten (und entsprechender Angebote zur Versorgung mit Gütern des täglichen Gebrauchs)
• Etablierung von Büro- und Dienstleistungsnutzungen
• Schaffung einer neuen Identität für den Standort
• Schaffung eines Parks / gebietsprägenden Grünzugs (Flächenanteil 25 Hektar; entsprechend der städtischen Zielsetzung) und somit die Fortführung des Grüngürtels an den Rhein
• Anbindung und Integration der neuen Strukturen in das übergeordneten Grün- und Freiraumsystem, das Verkehrsnetz und den angrenzenden Stadtraum

Quelle: Texte und Aufgabenstellung des Lehrgebiets Städtebau der Universität Siegen